Berufsbilder


Kfz-Mechatroniker

Neues Berufsbild spiegelt den technischen Fortschritt wider

ImageDie Offenbacher Verkehrs- Betriebe GmbH (OVB) ist stolz auf ihre Busflotte. 44 Fahrzeuge der OVB, 18 Busse der Main Mobil Offenbach und neun Fahrzeuge der Main Mobil Frankfurt gehören dazu. Sie flott zu halten, ist Sache des OVB-Serviceteams.

Dort absolviert der 18-jährige Patrick Recktenwald seit dem 1. September 2004 seine Ausbildung. Und dabei lernt er gleich zwei Berufe auf einmal: Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker. Was früher verschiedene Ausbildungsberufe waren, wurde kombiniert – zum Kfz-Mechatroniker – im Falle der OVB mit Schwerpunkt Nutzfahrzeuge. „Das neue Berufsbild kommt uns sehr gelegen“, sagt Ausbildungsleiter Markus Hein, „es muss Allrounder geben.“

ZWEI BERUFE IN EINEM
Die elektronischen Komponenten in Fahrzeugen nehmen zu, da ist eine Trennung einfach nicht mehr zeitgemäß. Überholt ist die frühere Arbeitsteilung: Ein Mechaniker kümmert sich um einen defekten Anlasser, der Elektriker um die zugehörigen Kabel. Die Ausbildungsdauer ist indes bei dreieinhalb Jahren geblieben. Zwei Berufe im gleichen Zeitraum zu erlernen, ist eine Herausforderung, der sich Patrick stellt. Der Berufsschulunterricht an den Gewerblich-Technischen Schulen in Offenbach konzentriert sich auf vier Tage im Monat. Davon ist jeweils ein Tag für die überbetriebliche Praxis in einer schulischen Werkstatt reserviert, die drei übrigen Tage sind der Theorie vorbehalten: Elektrotechnik und technische Mathematik, Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde stehen unter anderem auf dem Lehrplan.

In der Berufsschule trifft Patrick auf Azubis, die schwerpunktmäßig mit Pkw zu tun haben. Der Schulstoff umfasst daher teilweise auch Themen, mit denen Patrick in der Praxis wenig zu tun hat. Zum Beispiel Zündkerzen: Busse sind mit Dieselmotoren ausgestattet und brauchen daher keine.

Zusätzlich gibt es bei der OVB ein interaktives Lernprogramm – entwickelt unter anderem von DaimlerChrysler, mit deren Frankfurter Werk die OVB in Ausbildungsfragen kooperiert. Anderthalb Stunden pro Woche kann Patrick mit Hilfe des Computerprogramms den Schulstoff wiederholen und seinen Wissensstand testen. „Das ist wirklich gut“, sagt er. Und auch Ausbildungsleiter Hein schätzt die Lernsoftware: „Damit können sich die Azubis selbst fit machen.“
Patrick Recktenwald hat die Mittlere Reife an der Ernst-Reuter-Gesamtschule in Dietzenbach erworben. Fast 50 Bewerbungen musste er schreiben, bevor es bei der OVB mit der Lehrstelle klappte. Zu Schulzeiten hatte er dort bereits zwei Praktika absolviert. Mechatroniker war und ist sein Wunschberuf.

MATHE, PHYSIK UND SOZIALVERHALTEN
Bei der OVB gehen im Schnitt 60 Bewerbungen auf zwei Ausbildungsstellen ein. Worauf achtet der Ausbildungsleiter besonders? „Gewisse Fächer müssen stimmen“, sagt Hein. Mathe und Physik sind wichtig. Gro-ßen Wert legt er auch auf Sozial- und Arbeitsverhalten: „Teamarbeit ist das A und O, Eigenbrötler haben keine Chance.“
Patrick musste sich schon wenige Wochen nach Ausbildungsbeginn mit Hilfe eines Computers an einer Fehlerdiagnose versuchen. Die Zeiten, in denen ein „Stift“ bloß Hilfsarbeiten verrichtete, sind vorbei. „Azubis müssen sich auch etwas zutrauen“, erklärt Hein. Sobald der Blick des Azubis allzu ratlos werde, geht der Reparaturleiter von sich aus auf den Lehrling zu. Nach Patricks Einschätzung funktioniert dieses System gut.

VIELFÄLTIGE TÄTIGKEITEN
Auch wenn es vieles gibt, was an allen Fahrzeugen gleich ist. Es gibt auch immer wieder Unterschiede. Bei der OVB-Busflotte handelt es sich überwiegend um Wagen von MAN und Daimler. Zu den rund 400 Fahrzeugen, die das Serviceteam insgesamt wartet, gehören allerdings auch die Nutzfahrzeuge der ESO Dienstleistungsgesellschaft – vom Rasenmäher über Müllfahrzeuge bis zu Spezialfahrzeugen – und die sind teilweise von anderen Herstellern gebaut.

Jeder Hersteller hat für bestimmte Fahrzeugbereiche seine spezifischen Lösungen entwickelt. Und hinzu kommt eine Reihe von Funktionen, die es im Pkw-Bereich gar nicht gibt. Bei den Bussen ist es beispielsweise die elektronische Haltestellen-Anzeige oder der Absenkungsmechanismus an den Niederflurfahrzeugen, der dafür sorgt, dass die Fahrgäste barrierefrei ein- und aussteigen können. „Das erste Lehrjahr brauchte man, um überhaupt den Überblick zu kriegen“, sagt Patrick.

SYSTEM & STRUKTUR
Eines der Prüfungsfächer heißt Arbeitsplanung. Dabei kommt es darauf an, das eigene Vorgehen systematisch zu strukturieren, eine sinnvolle Reihenfolge festzulegen und den Materialeinsatz zu planen. „Das kann man nicht lernen, wenn man nur zuarbeitet“, meint Hein.

Patrick hat sich inzwischen sein erstes Auto gekauft – einen Opel – und hat den Unfallwagen selbst wieder flott gemacht. Kollegen standen ihm mit Rat und Tat zur Seite. „Das ist schon was, wenn sich ein Azubi nach dem ersten Lehrjahr selbst einen Unfallwagen zurechtflickt. Und es sieht gut aus, was er da gemacht hat“, lobt Markus Hein – nicht ohne Stolz, denn schließlich zeigt sich darin auch die Qualität der Ausbildung.

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Diskussion

Ein Kommentar zu “Kfz-Mechatroniker”

  1. Guten Tag fange ab dem 1.September mit meiner Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker an.Kann mir jemand sagen wo ich das interaktive Lernprogramm her bekomme? Danke im vorraus

    Gruß Maik

    Geschrieben von Maik Wasik | August 17, 2008, 09:42

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