
Die Generation der Eltern ist die der Vorturner in Sachen Bildung. Der Nachwuchs lernt aus den Fehlern seiner Vorfahren, profitiert von ihren Kenntnissen und Erfahrungen, ergänzt eigene und sieht sich vor der Aufgabe, den im Vergleich zur Vorgängergeneration gestiegenen Ansprüchen gerecht zu werden. Soweit die Theorie. Aber: Die für lange Zeit gültige Regel, dass der Bildungsstand mit jeder neuen Generation wächst, scheint ausgehebelt.
Die Bildungsexpansion in Deutschland ist nach Mitteilung des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) zum Stillstand gekommen. Jüngere Altersgruppen sind nicht mehr automatisch besser qualifiziert als die älteren. Sorge bereite vor allem der viel zu hohe Anteil derjenigen, die ohne Schulabschluss bleiben, heißt es von Seiten des DIHK. 2004 seien das 82000 Schulabgänger gewesen. Das entspricht 8,3 Prozent. Die Risikogruppe ist aber nach PISA weitaus größer: 22,3 Prozent der 15-jährigen Schüler schafften die Lesetests nicht oder nur schlecht. Keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufsausbildung. Schnell ist von Bildungsarmut die Rede.
EINFLUSSFAKTOREN
Näher analysiert wurden die PISA-Daten vom Institut der deutschen Wirtschaft, die Einflussfaktoren isoliert. So konnten die wichtigsten Ursachen der Bildungsarmut und ihre Folgen nicht nur erkannt, sondern auch in Schuljahre umgerechnet werden. Das Ergebnis: Insbesondere beim Lesen und bei Naturwissenschaften entsteht ein durchschnittlicher Lernrückstand von einem Jahr, wenn zuhause kein Deutsch gesprochen wird. Sind Haushalte als bildungsfern einzustufen, fehlt es häufig nicht nur an Unterstützung, sondern auch an Schreibtischen, Wörterbüchern und Computern. Das führt im Schnitt zu einem Lernrückstand von einem halben Schuljahr. Auch die Motivation der Schüler spielt eine Rolle. Wer keinen Spaß daran hat, Neues zu erfahren und Gelerntes zu vertiefen, verliert schnell den Anschluss. Bei manchen Jugendlichen, warnt der DIHK, kommen gleich mehrere Faktoren zusammen, wodurch der Rückstand wächst.
LÖSUNGSANSÄTZE
Die Lösung sehen die Experten im Ausbau der frühkindlichen Förderung mit stärkerer Orientierung an Lernzielen und Standards. Auch Ganztagsschulen gelte es zu fördern, denn: „Wenn Kinder aus bildungsfernen Schichten zuhause zu wenig Unterstützung erhalten, müssen die Schulen helfen – auch nachmittags.“ Dabei benötigten die Lehrer wiederum mehr Hilfen, insbesondere im Umgang mit Problemschülern. Überdies müsse beim Erziehungsauftrag der Eltern angesetzt werden. Jedoch muss auch die Frage erlaubt sein, inwieweit jeder für sich selbst verantwortlich ist
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