
Die Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG, Stuttgart, und das baden-württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport haben die 244 Ferry-Porsche-Preisträger des Jahres 2006 im Entwicklungszentrum in Weissach geehrt. Mit diesem Preis werden seit 2001 die jahrgangsbesten Abiturientinnen und Abiturienten an den allgemein bildenden und beruflichen Gymnasien mit den Leistungsfächern Mathematik und Physik/Technik ausgezeichnet. Die beiden Partner wollen mit diesem Preis einen Beitrag dazu leisten, die Attraktivität der naturwissenschaftlichen und technischen Fächer an den Gymnasien Baden-Württembergs zu stärken.
In seiner Festansprache betonte Dr.Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, dass die Zahl der deutschen Gymnasiasten, die nach dem Abitur ein technisch orientiertes Studium absolvieren, deutlich hinter den Erfordernissen des Arbeitsmarktes zurückblieben.
INTERNATIONALE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT IN GEFAHR
„Wir müssen dringend etwas dafür tun, dass sich dieser Trend möglichst schnell wieder umkehrt. Sonst ist die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland und seiner Unternehmen in Gefahr“, sagte der Porsche-Chef vor den Preisträgern und deren Eltern in Weissach. Zwar zähle der Stuttgarter Sportwagenhersteller bei Hochschulabsolventen seit jeher zu den attraktivsten Arbeitgebern in Deutschland und sei deshalb in der glücklichen Lage, sich aus vielen Bewerbern die besten aussuchen zu können. Doch auch Porsche sei stark von der Zulieferindustrie abhängig, und diese sehe sich schon lange mit einem eklatanten Nachwuchsmangel konfrontiert: „Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung“, warnte Wiedeking. „Schließlich bilden diese oft hoch innovativen Lieferanten das Rückgrat der deutschen Automobilindustrie.“
MEHR JUNGE MENSCHEN IN TECHNISCHEN BERUFEN
Sollte es nicht gelingen, auf längere Sicht mehr junge Menschen für einen Einstieg in die technisch orientierten Berufe zu begeistern, hätte das aus Sicht des Porsche-Chefs unabsehbare Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland: „Wer soll denn in Zukunft international wettbewerbsfähige Spitzenprodukte ‚Made in Germany’ entwickeln und zur Marktreife bringen, wenn nicht mehr genügend junge Ingenieure aus den Hochschulen nachrücken?“, fragte Wiedeking. Außerdem gab er zu bedenken, dass nur Ingenieure und Technikwissenschaftler in der Lage seien, neue Zukunftstechnologien zu entwickeln, mit denen sich die enormen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem prognostizierten Klimawandel bewältigen lassen. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau hob ebenfalls die Bedeutung des naturwissenschaftlichtechnischen Nachwuchses hervor: „Unsere Gesellschaft braucht qualifizierte und motivierte Ingenieure und Naturwissenschaftler, die mit Ideen und Erfindungen und deren Umsetzung im Markt für die Zukunftssicherung unseres Landes sorgen.“
AUFRUF AN JUNGE FRAUEN
Rau rief vor allem junge Frauen auf, entsprechende Ausbildungs- und Studiengänge zu wählen: „Wenn wir technische Innovationen nicht mehr ausschließlich durch die männliche Brille betrachten, dann werden wir den Weg für zusätzliche Ideen, Kreativität und Innovationen erschließen“, sagte der Minister. Das Vorurteil, wonach sich Frauen nicht für technische Berufe eigneten, werde in vielen anderen Ländern widerlegt.
PREIS WIRD SEIT 2001 VERGEBEN
Der -Porsche-Preis, der nach dem 1998 verstorbenen Begründer der Porsche-Sportwagen benannt ist, wird seit 2001 vergeben. Auch in diesem Jahr ließ es sich Dr. Wolfgang Porsche, jüngster Sohn von Ferry Porsche und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Sportwagenherstellers, nicht nehmen, persönlich zu den Preisträgern zu sprechen. In seiner Rede erinnerte er an die Gründung des Konstruktionsbüros im Jahr 1931 durch seinen Großvater Ferdinand Porsche in Stuttgart, der hier in den dreißiger Jahren neben den Auto-Union-Rennwagen auch den VW-„Käfer“, das vielleicht berühmteste Auto der Welt, konstruiert hatte. Erst sein Vater Ferry baute im Jahr 1948 einen Sportwagen, der offiziell den Markennamen Porsche trug. Mit der Serienproduktion dieser Fahrzeuge legte Ferry Porsche den Grundstein für die heutige Sportwagenschmiede. „Bis zu seinem Tod im Jahr 1998 hat mein Vater die Geschicke des Unternehmens maßgeblich mitbestimmt – zunächst als Inhaber, Geschäftsführer und Chefentwickler, dann als Vorsitzender des Aufsichtsrates und später als erfahrener Ratgeber“, würdigte Dr. Porsche das Lebenswerk seines Vaters.
VERLOSUNG VON STIPENDIEN FÜR AUSLANDSPRAKTIKA
Höhepunkt der diesjährigen Feier in Weissach war wieder die Verlosung von sechs Stipendien für Auslandspraktika. Die glücklichen Gewinner heißen Julia Gentner (Kopernikus- Gymnasium Aalen-Wasseralfingen), Gregor Glomb (Lessing-Gymnasium Karlsruhe), Charlotte Gunsilius (Gymnasium Königin-Olga-Stift Stuttgart), Bastian Hettich (Lise-Meitner-Gymnasium Remseck am Neckar), Till Krämer (Rechberg-Gymnasium Donzdorf) und Florian Winke (Scheffold-Gymnasium Schwäbisch Gmünd). Die Gewinner haben die Möglichkeit, im Sommer 2007 bei einer ausländischen Vertriebstochter des Sportwagenherstellers ein vierwöchiges Praktikum zu absolvieren. ¦
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