Berufsbilder


Berufskraftfahrer

Für Könige der Straße

koerdel5_web.jpg„Wenn es keine Berufskraftfahrer gäbe, würden wir innerhalb weniger Tage verhungern“, sagt Ellen Kördel-Heinemann, Geschäftsführerin der nordhessischen Spedition Kördel. Und was doch sehr überspitzt klingt, ist gar nicht mal so abwegig. Immer mehr wird auf deutschen und europäischen Straßen transportiert. Experten rechnen damit, dass sich der Schwerlastverkehr in Deutschland in den nächsten 30 Jahren verdoppelt. Exzellente Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz haben die, die jetzt die Chance ergreifen, diesen Beruf zu erlernen. Und die Tätigkeiten reichen weit über das reine Fahren hinaus.

Fragt man einen kleinen Jungen nach seinem Traumberuf, gehört zur Liste des Aufgezählten fast automatisch der Beruf des LKW-Fahrers. Es ist die Herrschaft über ein so mächtiges Fahrzeug, die die kleinen Jungs beeindruckt – und sicherlich auch die großen. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden schwenken viele in Sachen Berufswunsch aber um. Man hört oft von Stress, überschrittenen Lenkzeiten und Monotonie. Aber diese Dinge haben sich in den letzten Jahren hinreichend geändert. „Leistungsdruck hat man in einigen Situationen, das stimmt, aber alles andere ist durch neue Techniken und überarbeitete Gesetze wesentlich verbessert worden“, sagt Ellen Kördel-Heinemann. Und ihre Auszubildenden geben ihr Recht: Freiheit, Abwechslung und Eigenverantwortlichkeit sind die Schlagworte, die sie den Vorurteilen entgegensetzen.

Gefragte Fachkräfte
350 LKW sind für die Spedition Kördel unterwegs – die meisten sind 40-Tonner. Jeder von ihnen fährt im Schnitt 160000 Kilometer im Jahr. Um alle Touren abzudecken, beschäftigt das Unternehmen rund 400 Fahrer. Viele von ihnen sind alte Hasen im Geschäft und verfügen über langjährige Praxiserfahrung. Doch die Zukunft gehört dem Nachwuchs, denn schon jetzt sind Berufskraftfahrer gefragte Fachkräfte. Die Spedition Kördel setzt deshalb stark auf Ausbildung und hat allein in diesem Jahr 15 Plätze zu vergeben.

 

Gestiegene Anforderungen
„Es ist nicht mehr so, dass jeder, der über einen entsprechenden Führerschein verfügt, als Berufskraftfahrer arbeiten kann“, sagt Ellen Kördel-Heinemann. Das Berufsbild habe sich stark gewandelt. Wesentlich mehr Technik gelte es zu koerdel7_web.jpgbeherrschen, die Sicherheitsanforderungen seien enorm gewachsen und die stetige Verkehrszunahme erfordere wache und gut geschulte Fahrer. Gefahrgutvorschriften, Fehlervermeidung, Kundenvorgaben, Erste Hilfe, Verhalten am Unfallort, Ladungssicherung, defensives Fahren und vieles mehr sind bei der nordhessischen Spedition Inhalte innerbetrieblicher Schulungen. In Kooperation mit dem TüV Rheinland bietet man auch Fahrsicherheitstrainings an.

Höhere Kundenansprüche
Auch die Kunden stellten heute andere Ansprüche. „Früher hat man die Sachen verladen und weg …“, sagt Ellen Kördel-Heinemann, „heute achten die Kunden genau darauf, mit welcher Ordnung und welchen Sicherheitsstandards man die Waren verlädt und transportiert. Transparenz bei Transport und Lieferung gewinnt immer mehr an Bedeutung.“

Einsatzgebiete
Die Tätigkeiten der Berufskraftfahrer sind vielfältig und richten sich nach dem Einsatzgebiet. Ob Tankstellen- oder Flug-hafenversorgung, Bitumen-, Heizöl-, Kran-, Plane- oder Kippertransport – bis auf flüssige Lebensmittel und Gas fährt die Spedition Kördel alles, was der Güterverkehr zu bieten hat. Und so vielfältig die Einsatzgebiete, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an den Fahrer.

Schulungen
„Wer zum Beispiel Bitumen bei einer der großen Raffinerien abholen möchte, kann das nicht ohne vorherige Schulung tun“, erklärt Ellen Kördel-Heinemann. Das Material werde mit einer Temperatur von 180 bis 210 Grad verladen und da gelte es natürlich Vorschriften zu beachten. In den großen Raffinerien sei es gängig, dass die Fahrer unter Videoüberwachung einen Test absolvieren müssen, bevor sie die Verladestation überhaupt ansteuern dürfen. Das Verladen ist Fahrersache und erfordert körperliche Belastbarkeit. „Man muss eine komplette Schutzausrüstung tragen, feuerfest, mit Helm und Handschuhen, und das auch bei 35 Grad im Sommer“, beschreibt Ellen Kördel-Heinemann.

Sicherheit
Berufskraftfahrer tragen die Verantwortung für ihre Ladung und damit auch für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer. „Man muss immer genau aufpassen, beim Sichern der Ladung, beim Be- und Entladen und natürlich beim Fahren“, sagt Julian Schmidt. Der 20-Jährige ist mit seiner Berufswahl in die Fußstapfen seines Stiefvaters getreten und bereut es keinesfalls. Julian ist im zweiten Ausbildungsjahr und liefert mittlerweile eigenverantwortlich Heizöl aus. „Das ist sehr abwechslungsreich“, sagt er. „Man lernt viele verschiedene Leute kennen, gerät immer wieder in neue Situationen und nicht alles ist reine Routine. Es gibt immer neue Herausforderungen und natürlich kann man auch in andere Bereiche wechseln.“

Emotionale Stärke
„Man ist sein eigener Herr und kann sich seine Zeit frei einplanen“, sagt Kai Thewissen, Auszubildender im ersten Lehrjahr. Während andere im Büro feste Pausenzeiten einzuhalten hätten, könne man als Kraftfahrer selbst entscheiden, wann und wo man einen Halt einlegt. „Wichtig ist, dass man die Termine einhält“, erklärt der 22-Jährige. Und da ist von den Kraftfahrern emotionale Stärke gefragt. „Der Fahrer ist das Bindeglied zwischen Kunden und Disposition“, sagt Ellen Kördel-Heinemann. Er repräsentiere das Unternehmen vor Ort und müsse dabei mit vielen unterschiedlichen Menschen und Sitationen klar kommen.

Führerschein gehört dazu
Wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist natürlich der Führerschein. Klasse B, also den fürs Auto, sollte man mitbringen, der Rest gehört zu den Ausbildungsinhalten und wird vom Betrieb übernommen. Die Spedition Kördel hat dafür eine eigene Fahrschule im Haus und auch speziell ausgebildete Masterdriver, die die Fahranfänger am Anfang begleiten und unterstützen.

Technik verstehen
koerdel6_web.jpg Technisches Verständnis, das für den Beruf ebenfalls eine bedeutende Rolle spielt, lernen die Auszubildenden bei der Spedition Kördel in der hauseigenen Werkstatt. Als Renault-Nutzfahrzeug-Servicestützpunkt hat man hier nicht nur die eigenen Fahrzeuge zu warten, sondern auch die der Kunden. „Hier bekommt man viel mit über Motor, Getriebe, Kupplung, Elektronik und Motormanagement“, sagt Julian Schmidt.

Routenplanung
Genau wie die Technik, die Landungssicherung und der Führerschein ist auch die Fähigkeit zur Streckenplanung von Bedeutung. Lkw-Fahrer haben es da ungleich schwerer, als Pkw-Piloten. Denn für die sind Tunnelhöhen und Brückentraglasten weniger relevant. Auch aus engen Gassen kommen sie schneller wieder raus, als ein 18 Meter langer Lastzug. „Die Navis für Lkw sind noch nicht ausgereift genug, um sich darauf verlassen zu können“, sagt die Chefin.

Bewerben
Bewerbungen erhält Ellen Kördel-Heinemann lieber per Post mit allen dazugehörigen Dokumenten wie Zeugnis, Foto und Lebenslauf. Bewerbungsfrist für 2008 ist Ende April. Weitere Infos und Kontakt: www.koerdel.de. ¦

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