Kaleidoskop


Unterschiede zwischen Ost und West

Gefälle zwischen den Landesteilen

WOst-West2ie Auszubildende bezahlt werden, hängt von der Branche und vom Ausbildungsjahr ab. Sollte man denken! In etlichen Lehrberufen variiert die tariflich geregelte Azubi-Vergütung aber auch regional – manchmal um mehrere hundert Euro im Monat.

Ganze 332 Euro monatlich bekam vergangenes Jahr ein Auszubildender, der seine Lehre im privaten Verkehrsgewerbe in Thüringen beginnt. Wer als gewerblicher Auszubildender im westdeutschen Bauhauptgewerbe im letzten Ausbildungsjahr steht, erhielt 2008 hingegen 1260 Euro im Monat. Das zeigt die Azubi-Datenbank des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.

Besser verdient der Westen
Schaut man nur auf die regionalen Unterschiede, sind die Abstände aber auch noch gewaltig. Auszubildende in Ostdeutschland liegen in puncto Verdienst deutlich hinter westdeutschen Lehrlingen. So kann der Unterschied im dritten Lehrjahr (darauf beziehen sich alle weiteren Zahlen) bei bis zu 455 Euro im Monat liegen. Eben diesen Betrag mehr kann sich ein kaufmännischer Azubi im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe Hamburgs einstecken als sein Kollege der gleichen Branche im quasi benachbarten Mecklenburg-Vorpommern, das zu den neuen Bundesländern gehört.

Auch Süd-Nord-Gefälle
Auch im Westen gibt es übrigens solche regionalen Unterschiede. Das macht die WSI-Analyse deutlich. So liegt der Unterschied in der Metall- und Elektroindustrie bei 54 Euro pro Monat zwischen dem besser bezahlten Azubi in Baden-Württemberg und seinem Kollegen in Nordrhein-Westfalen.

„Die Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter“, sagt WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck. Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gibt es solche mit starken regionalen Unterschieden, häufig verbunden mit einem West-Ost-, aber auch mit einem Süd-Nord-Gefälle.“ In der Metall- und Elektroindustrie fallen die regionalen Unterschiede mit bis zu 54 Euro noch relativ gering aus. In der chemischen Industrie sind die Abstände mit bis zu 108 Euro schon etwas größer: Im Osten beträgt die Ausbildungsvergütung 765 Euro, im Westen reicht sie von 792 Euro in Schleswig-Holstein bis zu 873 Euro im Bezirk Nordrhein.

Je nach Branche
In der Landwirtschaft reichen die Vergütungen von 498 Euro in Thüringen bis zu 637 Euro in Baden-Württemberg. Im Einzelhandel liegt die maximale Spanne bei 159 Euro: In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Vergütung 630 Euro, in Hamburg dagegen 789 Euro. Im Groß- und Außenhandel werden in Mecklenburg-Vorpommern 648 Euro gezahlt, in Hessen dagegen 830 Euro. In der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie bestehen noch größere Unterschiede: In Mecklenburg-Vorpommern erhalten die Auszubildenden 493 Euro, in Baden-Württemberg dagegen 755 Euro. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind die Abstände ähnlich: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 480 Euro, in Bayern dagegen 731 Euro.

In manchen Tarifbereichen gibt es quasi nur eine Differenzierung zwischen West und Ost, zum Beispiel im Bauhauptgewerbe. Die gewerblichen Auszubildenden erhalten im Westen 1120 Euro, im Osten 864 Euro.

Bundesweit einheitlich
MoneyIn anderen Branchen wie bei den Banken (869 Euro) und Versicherungen (899 Euro), in der Druckindustrie (900 Euro) und in der Papierverarbeitung (828 Euro) wird der Berufsnachwuchs bundesweit einheitlich bezahlt. Das gleiche gilt auch für einige Großunternehmen, die bundesweit tätig sind. Bei der Deutschen Bahn (741 Euro), der Deutschen Post (763 Euro) und der Deutschen Telekom (796 Euro) gibt es das gleiche Geld, egal wo man arbeitet.

Die Rahmenbedingungen
So hält man es auch im öffentlichen Dienst. Beim Bund und den Gemeinden gibt es 781 Euro, bei den Ländern 732 Euro. Begründet werden die Unterschiede bei den Azubivergütungen auch im Jahre 20 nach der deutschen Wiedervereinigung mit den unterschiedlichen Rahmenbedingungen in West und Ost. So ist die Produktivität im Durchschnitt der ostdeutschen Wirtschaft niedriger als im Westen. Zudem werden auch häufig die niedrigeren Lebenshaltungskosten im Osten genannt, wo vor allem die Wohnungsmieten im Schnitt noch unter dem West-Niveau liegen.

Und schließlich schauen die Arbeitgeber natürlich auch darauf, dass sich die Beschäftigung eines Azubis für sie lohnt. Für viele Betriebe rentiert es sich nämlich durchaus auszubilden, das zeigen zwei Studien der Uni Bremen und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Das gilt nicht nur längerfristig, weil Betriebe hoffen, dass ihnen Fachkräfte, die sie ausgebildet haben, eher die Treue halten. Auch schon während der Lehrzeit können Azubis mehr einbringen als sie kosten. Die Bremer Forscher kalkulieren diesen Nettoertrag auf durchschnittlich 600 Euro im Jahr.

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