Ermittlung im Tatort Internet

2. IT-Talentegipfel setzt sich mit Gefahren im Netz auseinander

ittalentDie Computerkriminalität wird immer professioneller. „Deshalb nimmt die IT-Sicherheit als Aufgabe ständig zu“, betonte Staatssekretär Dr. Hans Bernhard Beus, Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, bei der Eröffnung des 2. IT-T alentegipfels am Freitagabend auf Burg Liebenzell (Kreis Calw). „Längst sind keine Einzeltäter mehr am Werk“, erklärte Michael Hange, „sondern eine organisierte Schattenwirtschaft, die international einen Milliardenmarkt geschaffen hat.“ Insofern liegt das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt, bei dem der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine aktuelle Bewertung der IT-Sicherheit vornahm, mit seiner Aufgabenstellung genau richtig.

„Diese Entwicklung muss Sorge bereiten“, betonte Beus, der sich freute, dass die Informationstechnologie mittlerweile als politisches Handlungsfeld wahrgenommen werde. Ein Allheilmittel werde es nicht geben. Aber es würden immer mehr Menschen gebraucht, die die IT-Sicherheit zu ihrem Thema machten. Der Staatssekretär räumte mit dem Image angestaubter Behörden auf. Die Bundesverwaltung sei ein attraktiver Arbeitgeber, sagte der Staatssekretär mit Blick auf die 28 Finalisten des Bundeswettbewerbs Informatik, weil die Mitarbeit an modernen Aufgabenstellungen eine Herausforderung sei.

Dazu gehörten der elektronische Personalausweis, die sogenannte DE-Mail, mit der Verbraucher Geschäfts- und Behördenpost deutlich sicherer übers Internet verschicken, die Verhinderung von Hackerangriffen und das sogenannte E-Government. Für IT-Talente gebe es eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, auch auf EU-Ebene.
Junge Menschen für IT-Berufe zu begeistern und zu qualifizieren, gestalte sich für Unternehmen immer schwieriger, betonte Professor h.c. Manfred Hübscher. Deshalb sei es erklärte Aufgabe aller Beiratsmitglieder und Sponsoren des Projekts, so der Akademieleiter des Internationalen Forums Burg Liebenzell, durch Engagement und Mentoring die Voraussetzungen für aktive IT-Nachwuchsförderung zu schaffen.

Daraus entstehe eine Win-win-Situation, die allen nütze, sagte Hans-Joachim Fuchtel. Der Bundestagsabgeordnete sieht sich im „zunehmenden Interesse aus der Wirtschaft und vielen Institutionen“ bereits ermutigt, „an die nächste Stufe zu denken.“ Jetzt sei es wichtig, sich an Vernetzungen zu wagen. „Die Jugend braucht eine frühe Brücke zur Wirtschaft“, betonte der Initiator, „nur so wird es genügend IT-Nachwuchs geben.“ Für ihn ist das Projekt auch „ein Stück Silicon Mountains“ im Schwarzwald. Die Ansiedlung des IT-Talentegipfels biete eine Fülle besonderer Perspektiven bis zu erfreulichen Nebeneffekten für den Tourismus.

Statt von klassischen Computer-Viren gingen heute vermehrt Gefahren von Trojanern und Botnetzen aus, erklärte Michael Hange. Für Privatnutzer steige die Gefahr des Identitätsdiebstahls. Für Wirtschaft und Behörden führten Online-Spionage oder die Störung kompletter IT-Systeme zu empfindlichen Problemen. Erfreulicherweise steige das Sicherheitsbewusstsein parallel zur wachsenden Bedrohung. „Jeder ist aufgefordert, sich mit Vorsicht durchs Internet zu bewegen“, sagte der Präsident. Das Bundeskriminalamt spreche bereits vom „Tatort Internet“, weil jährlich 700.000 Rechner infiziert würden.

Joachim Marcher wies auf die Bedrohung durch personalisierte Angriffe über Internetplattformen hin. Der Leiter Konzernsicherheit bei Giesecke & Devrient nannte „die Bewusstseinsbildung beim Bürger“ eine der wichtigsten Herausforderungen. Dafür müsse schon in der Schule sensibilisiert werden. Unternehmen könnten sich durch Schulungen vor IT-Spionage schützen, die häufig mit dem Auskundschaften des sozialen Umfelds beginne.

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