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Ausbildung zum Zweiradmechaniker Fahrradtechnik

Hightech-Gerät Drahtesel

werkstatt 3Der Fahrradmarkt boomt – und das nicht nur in Fahrradstädten wie Münster oder Oldenburg. Und aus den sperrigen Drahteseln von einst sind wahre Hightech-Geräte geworden, die fachgerecht gewartet sein wollen. Es gibt viel zu tun für die Zweiradmechaniker. Genauer gesagt für die Zweiradmechaniker Fahrradtechnik. Denn der Ausbildungsberuf des Zweiradmechanikers ist geteilt, in die Schwerpunkte Fahrradtechnik und Motorradtechnik. „Erst wenn man später seinen Meister macht, wird man in beiden Fachgebieten geprüft“, sagt Hans-Dieter Tendick. Der Meister kann also wieder beides. „Deswegen nennt er sich auch Meister“, lacht der 45-jährige Inhaber des FahrRadCenter Tendick in Neukirchen-Vluyn am Niederrhein.

Komplexe Tätigkeit
Die Auszubildenden wie der 19-jährige Fabian Naujocks haben im Bereich Fahrrad viel zu lernen. Die Räder von heute sind zumeist technisch sehr komplexe Geräte. Ein Fahrrad reparieren – das kann doch jeder? Fabian lacht: „Wenn ich das Lagersystem einer schnell schaltenden Nabe auseinander baue, habe ich 70 Einzelteile vor mir liegen. Ich muss hier nicht nur den Fehler suchen, sondern das Bauteil auch wieder zusammensetzen können.“ Nein, das kann unmöglich jeder. Der junge Mann hatte zunächst in einem Kfz-Betrieb arbeiten wollen, war dann aber auf den Beruf des Zweiradmechanikers Fahrradtechnik gestoßen. „Mir wurde klar, dass die Zukunftsaussichten im Kfz-Gewerbe nicht so rosig sind.“ Und deswegen Fahrrad? „Nein, auch weil ich mich schon immer für Technik interessiert habe und gerne Fahrrad fahre.“

Leistungsbereitschaft
Hans-Dieter Tendick nickt. „Ich denke, man sollte sich schon für das Thema Fahrräder interessieren, sonst können sie diesen Beruf nicht machen, weil sonst die Begeisterung fehlt.“ Oft sind es ehemalige Radsportler oder auch Triathleten, die in diesem Beruf zuhause sind. „Aber das ist keine Voraussetzung. Ich selbst bin nicht über den Sport an den Beruf gekommen, sondern weil ich die technischen Entwicklungen in dem Bereich spannend fand.“

Schulnoten sind nicht alles
Hans-Dieter TendickUnd wie sucht sich Meister Tendick seine Azubis aus, von denen er seit 2000 stets drei über dreieinhalb Jahre ausbildet? „Über ein Praktikum“, sagt er. „Nicht, dass mir die Schulnoten völlig egal sind, schon allein damit es keinen Ärger in der Berufsschule gibt“, aber er sieht schon nach wenigen Tagen, ob sich der Proband für den Beruf des Zweiradmechanikers eignet oder nicht. Weitere Voraussetzungen? „Ein guter Hauptschulabschluss sollte sein“, so Tendick. „Wir sind ja kein reiner Werkstattbetrieb, im Gegenteil. Wir müssen direkt an den Kunden heran – das ist das Besondere an solchen Fahrradhandlungen mit Service.“  Kundenberatung gehört also zu den Aufgaben eines Zweiradmechanikers. Da kommt die ältere Dame, die für den täglichen Einkauf ein sicheres Fahrrad benötigt, da ist die Familie, die für den Sommer eine Trekkingtour plant und ein Fahrrad braucht, da ist der junge Mann, der ein Mountainbike sucht, um Sport zu treiben. Und dann gibt es noch Fahrräder aus Aluminium, aus Polycarbon, mit Nabenschaltung, mit Kettenschaltung. Und wie hoch muss ein Lenker sein? Welche Form ist ergonomisch? Und welcher Sattel? Fragen über Fragen. Für ein Fahrrad können die Kunden heute 300 Euro ausgeben – oder 3000 Euro und mehr.

Optimaler Kundenservice
„Wer braucht was?“, auch das ist eine Frage, die der Zweiradmechaniker beantworten können muss. „Das macht mir großen Spaß“, sagt Fabian. „Ich finde es gut, dass die Arbeit abwechslungsreich ist“, erzählt er, während er für einen weiblichen Teenager Kartons in einer bestimmten Größe zusammensucht. „Auch das ist Kundenservice“, sagt Hans-Dieter Tendick, als die junge Dame mitsamt den Kartons wieder aus dem Laden verschwunden ist. „Das hat mit Fahrrädern nichts zu tun, zeigt aber, dass in unserem Geschäft Kundenservice großgeschrieben wird.“ Aber es geht bei der Beratung nicht nur um den Verkauf von Fahrrädern. „Manchmal geht es nur darum, eine kaputte Birne auszutauschen“, erzählt Fabian, der im zweiten Ausbildungsjahr ist. Und darum, ob es sich lohnt, die Acht im Rad auszuwuchten oder besser ein neues einzusetzen.

Atypisch für die Branche
Zweiradmechanikermeister Tendick legt seit Jahren auf eine gute Ausbildung wert. „Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern“, sagt er. Er ist vor kurzem erst in das neue Ladenlokal an den Anfang der Fußgängerzone im Stadtteil Neukirchen gezogen. „Ich habe noch einen zweiten Stützpunkt im Stadtteil Vluyn.“ Da er nicht an beiden Standorten gleichzeitig sein könne, braucht er halt gute Leute, auf die er sich verlassen kann. Sein Betrieb mit fünf bis sechs Mitarbeitern ist eher atypisch für die Branche. „Es gibt im Bereich des Fahrradhandels viele Ein- oder Zwei-Personen-Betriebe, die nicht ausbilden.“ Viele von denen weigerten sich sogar, Fahrräder zu reparieren, die nicht bei ihnen im Geschäft gekauft worden sind. „Das sollen die ruhig machen, wir nehmen diese Kunden gern.“

Stinkende “Sachsonetten”
Und auch mit der Konkurrenz durch das Internet geht Tendick gelassen um. „Wir spüren das durchaus bei den Verkaufszahlen.“ So richtig nachvollziehen kann er das zwar nicht, das Menschen ein Fahrrad im Internet bestellen. Denn ob ein Fahrrad von der Rahmenhöhe, dem Lenker und dem Sattel her passt, weiß der Kunde erst, wenn er draufgesessen hat.  „Aber auch die im Internet gekauften Räder gehen kaputt, brauchen Wartung – und auch diese Kunden sind natürlich willkommen.“ Apropos Hightech. Es gibt eine Entwicklung beim Fahrrad, die die Zweiradmechaniker Fahrradtechnik im Gebiet der Kollegen von der Motorradtechnik wildern lässt. Es sind immer mehr Fahrräder mit Hilfsmotor auf der Straße. „Zum Glück keine stinkenden Sachsonetten mehr, das waren damals  benzinbetriebene Zweitakter“, wirft Fabian ein. Müssten sie noch Sachsonetten reparieren, hätten die Fahrradmechaniker genau soviel mit Dreck und Öl zu tun, wie die Kollegen von der Motorradfraktion. Nein, die Hilfsmotoren von heute sind Elektromotoren. „Und die haben es in sich, auch wenn sie nicht schneller als 23 bis 24 Stundenkilometer fahren dürfen“, grinst Fabian. „Alles künstlich gedrosselt. Mit ein paar technischen Veränderungen laufen die locker 70 Stundenkilometer.“ Aber das sei ja verboten. Interessant, was der Azubi in der Berufsschule alles so lernt.

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