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Friedhofsgärtner

Ein Beruf voller Leben

Gärtner – dieser interessante Ausbildungsberuf umfasst sieben Fachrichtungen. Eine davon ist die Friedhofsgärtnerei. Dieser vielseitige Beruf ist einerseits sind Friedhofsgärtner auf die Gestaltung und Pflege von Gräbern ausgerichtet. Die dafür benötigten Pflanzen produzieren viele Betriebe noch selbst. Auch die Gestaltung von Grabschmuck und Dekorationen gehört zu den Aufgaben der Friedhofsgärtner. Andererseits stehen sie Hinterbliebenen über viele Jahre mit Rat und Tat zur Seite und benötigen daher neben einem Gespür für Pflanzen auch die Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen. In Deutschland gibt es über 4000 Betriebe, die friedhofsgärtnerische Leistungen erzielen.

Fritz Mölders betreibt in Duisburg eine dieser Friedhofsgärtnereien. Er hat den Betrieb 1993 von seinem Vater übernommen und führt ihn damit bereits in der dritten Generation. Seitdem hat er zahlreiche junge Menschen zum Friedhofsgärtner ausgebildet. Aktuell durchlaufen Rebekka Abeler und André Hammer in seinem Betrieb die dreijährige Berufsausbildung. André Hammer ist im ersten Ausbildungsjahr. „Was ich an diesem Beruf mag? Wir arbeiten viel an der frischen Luft, das ist mein Ding. Und wir arbeiten im Team, das macht mir Spaß.“ Die Tätigkeit im Freien hat auch Rebekka Abeler zu diesem Beruf motiviert. Sie ist im zweiten Ausbildungsjahr und froh, dass der Betrieb Mölders ihr diese Chance geboten hat. Die 28-jährige Mutter einer kleinen Tochter findet das Arbeitsklima sehr angenehm: „Hier im Betrieb stimmt alles“, ist daher ihr Fazit.

Die Friedhofsgärtnerei von Fritz Mölders gehört zu den Betrieben, die auch eine eigene Pflanzenproduktion haben. Auf 1800 Quadratmetern Gewächshausfläche werden Frühjahrsblumen, Sommerblumen sowie bodendeckende Gehölze und Stauden produziert. Mölders ist es wichtig, dass die Azubis alle Produktionsschritte kennenlernen: „Durch den Umgang mit den Pflanzen im ersten Ausbildungsjahr bekommen die jungen Menschen ein Gespür für die Pflanze und können diese später optimal verwenden. Das ist die Grundlage unseres Berufs“, erläutert Mölders seine Philosophie.

Dieses Gespür für Pflanzen hilft dem Friedhofsgärtner bei vielen Tätigkeiten. Denn das Arbeitsspektrum erweitert sich zunehmend. Viele Betriebe übernehmen inzwischen im Auftrag des Friedhofsträgers die Pflege des Rahmengrüns auf den Friedhöfen.

Arbeitsalltag
Der Arbeitsalltag des Friedhofsgärtners wird von den Jahreszeiten bestimmt. So wird in den Monaten zwischen März bis November hauptsächlich auf dem Friedhof gearbeitet: Gräber werden angelegt, bepflanzt und gepflegt. Dazu erhalten die jüngeren Friedhofsgärtner und die Azubis im Betrieb Mölders Skizzen und Pflanzenlisten vom Chef, der diese nach den Wünschen der Kunden erstellt. „Pläne zu zeichnen und zu lesen, lernen Auszubildende in der Berufsschule – mit etwas Übung können sie diese in einigen Jahren auch selber erstellen“, erklärt Mölders.

Bevor ein Grab bepflanzt werden kann, muss zunächst der Boden bearbeitet und verbessert werden. Das wird nicht nur in Handarbeit erledigt. So werden zum Beispiel Fräsen zum Lockern des Bodens eingesetzt. Bei der sich anschließenden Bepflanzung eines Grabes ist es nötig, sorgfältig vorzugehen. Gärtnermeister Mölders: „Wir sind so etwas wie die Feinmechaniker im Gartenbau, weil die Flächen, die wir bearbeiten, in der Regel sehr klein sind.“ Zwischen drei und sechs Quadratmeter umfassen die meisten Gräber.

Blumen säen, Kunden Pflegen
Im Winter findet die Arbeit in der Gärtnerei statt, dann werden Blumen ausgesät und vermehrt. Die Pflanzen – Beet- und Balkonblumen, Bodendecker und kleine Sträucher – verkauft Fritz Mölders in seinem Blumengeschäft und verwendet sie für die Grabgestaltung. Der Winter dient aber auch der Intensivierung der Kundenpflege. Viele Betriebe prüfen ihr Marketingkonzept und hinterfragen ihr aktuelles Dienstleistungsangebot. Ideen für neue Produkte oder Leistungen entstehen in dieser Jahreszeit, die auch Zeit und Raum für notwendige Weiterbildungen lässt.

Kontakt zu Menschen
Der Beruf des Friedhofsgärtners erfordert die Fähigkeit, auf Menschen einzugehen, ihre Bedürfnisse und Wünsche aufzugreifen und sie in einer schwierigen Lebensphase zu begleiten und zu beraten. Als Auszubildende sucht Mölders daher junge Leute, die nicht nur den Umgang mit Pflanzen lieben, sondern auch Spaß an der Kundenberatung haben und offen sind für neue Herausforderungen. Bevor er einen Ausbildungsvertrag abschließt, bittet er die jungen Menschen, ein Praktikum in seinem Betrieb zu absolvieren. Mit diesem Vorgehen hat er gute Erfahrungen gemacht: „Ich merke sehr schnell, ob ein junger Mensch in unseren Betrieb hineinpasst. Und: Die Jugendlichen haben die Chance, die Aufgaben eines Friedhofsgärtners in der Praxis kennen zu lernen und zu schauen, ob es wirklich das ist, was sie wollen.“

Kreativität gefragt
Nach Mölders Meinung hat der Beruf viel zu bieten: „Die Arbeiten sind sehr vielfältig und abwechslungsreich. Man erlernt ein breites Spektrum an Fertigkeiten.“ Der Beruf kann sehr kreativ ausgelebt werden. Und im Umgang mit den Kunden bekommt man immer wieder neue Impulse und erhält neue Ideen. Wer mit Herzblut dabei ist, versteht den Beruf des Friedhofsgärtners auch als Auftrag der Menschen und der Gesellschaft. Das Grab ist ein wichtiger Ort des Erinnerns an Menschen, die uns ein Leben lang begleitet haben. Wie individuell, professionell und kreativ dieser Ort gestaltet ist, hängt ganz stark vom Friedhofsgärtner ab. Dass die Friedhöfe heute einen hohen gesellschaftlichen Wert haben, ist auch den dort tätigen Friedhofsgärtnern zu verdanken. Und: Es gibt in diesem sehr emotionalen Beruf nichts Schöneres als die Dankesworte einer Kundin. „Als mein Mann verstarb, war ich sehr traurig. Das Grab hat der Friedhofsgärtner nach meinen Wünschen gestaltet. Wenn ich heute meinen Mann besuche und die alpine Landschaft auf dem Grab sehe, erinnere ich mich immer an unsere gemeinsamen Wanderurlaube. Wir waren sehr glücklich. Diese Erinnerungen helfen mir, die Trauer zu überwinden und wieder einen Weg ins Leben zu finden. Vielen Dank für die sehr persönliche Unterstützung!“

Gute Zukunftsaussichten
Neben dem Interesse an Pflanzen und Menschen sollten Jugendliche Freude an der praktischen Arbeit im Freien mitbringen. „Der Beruf nimmt den Körper in Anspruch“, erklärt Mölders, „da muss man auch mal Regen ertragen können. Vor körperlicher Arbeit sollten die jungen Leute also keine Angst haben.“ Wer daneben Interesse an Naturwissenschaften und Mathematik hat, für den ist dieser Beruf nach Ansicht von Mölders genau das Richtige. Er fügt hinzu: „Die Berufsaussichten sind sehr gut. Um einen Arbeitsplatz brauchen sich qualifizierte Friedhofsgärtner keine Sorgen zu machen.“ In Deutschland gibt es rund 32.000 Friedhöfe, die insgesamt rund 32 Millionen Gräbern Platz bieten. Genug Arbeit für den Nachwuchs der Branche. Arbeitgeber sind privatwirtschaftliche Friedhofsgärtnereien oder städtische beziehungsweise konfessionelle Friedhofsverwaltungen.

Aufbaumöglichkeiten
Auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten sind gegeben: Aufstiegschancen bieten die Fortbildungen zum Meister oder zum Techniker. Und wer die Voraussetzungen mitbringt und weiter kommen will, der kann Gartenbau oder Landschaftsarchitektur an einer der Fachhochschulen oder Universitäten studieren.

Tipp
Wer einen Ausbildungsplatz in der grünen Branche sucht, erhält umfassende Informationen unter www.beruf-gaertner.de. Auf dieser Seite gibt es neben zahlreichen Tipps auch eine kostenfrei nutzbare Stellenbörse und Kontaktadressen für die Ausbildung. Über die Arbeit der Friedhofsgärtner kann man sich unter www.grabpflege.de näher informieren.

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