Berufsbilder


Kfz-Mechatroniker bei der Bundeswehr

In Flecktarn und Blaumann

In den Lehrwerkstätten der TÜV-Akademie in Aachen herrscht rege Betriebsamkeit. Junge Leute in blauen Monteuroveralls arbeiten an Autos auf Hebebühnen, prüfen mit Diagnosegeräten Automotoren oder arbeiten an der elektrischen Anlage von Fahrzeugen. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches für Auszubildende, die bei der TÜV-Akademie in Aachen zum Kfz-Mechatroniker Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik ausgebildet werden, wäre da nicht im Hintergrund ein Bundeswehrsoldat in Uniform zu sehen.

Der Soldat spricht mit Ausbildern, unterhält sich mit den Auszubildenden und scheint sich auch noch um eine Menge anderer Dinge in der Ausbildungswerkstatt zu kümmern. Das Besondere an dieser Ausbildungsgruppe ist, dass es sich um Soldaten der Bundeswehr handelt, die in den Lehrwerkstätten ihre zivilberufliche Aus- und Weiterbildung absolvieren.

Als zivilberufliche Aus- und Weiterbildung oder kurz ZAW bezeichnet man in der Bundeswehr eine Ausbildungsmaßnahme, die einer Lehre in einem anerkannten Ausbildungsberuf gleich zu setzen ist – auch hier erlangt der Soldat nach Bestehen der Prüfungen seinen Gesellenbrief oder in einem nächsten Schritt sogar den Meisterbrief. Viele Soldaten gehen im täglichen Dienst Tätigkeiten nach, die sich von zivilen Berufen gar nicht oder nur in Kleinigkeiten unterscheiden. Diese Tätigkeiten tragen dann zwar exotische Bezeichnungen wie 1. EloMechWart sind aber im Grunde nur Abwandlungen ziviler Berufe. Aus diesem Grund war es für die Bundeswehr nur konsequent, festzulegen, dass alle Mitarbeiter dort, wo es möglich ist, eine zivile Berufsausbildung erhalten.

Der Unterschied zur zivilen Ausbildung ist in erster Linie, dass man zwar eine zivile Berufsausbildung absolviert wie ein Auszubildender, aber natürlich auch während dieser Zeit Soldat bleibt. Das bedeutet natürlich auch, dass sie weiterhin – auch während der Ausbildung – das ihrem Dienstgrad entsprechende Gehalt erhalten. Das sind beispielsweise bei einem Unteroffizier rund1500 Euro netto und damit deutlich mehr als ein Auszubildender verdient. Ein weiterer Unterschied ist die Verkürzung der Ausbildungszeit. Der Gesellenbrief zum Kfz-Mechatroniker zum Beispiel kann frühestens schon nach 21 Monaten Ausbildung erlangt werden – im Gegensatz zu der dreieinhalbjährigen zivilen Ausbildung.

Berufsausbildung mit Übernahmegarantie
Einer der „Auszubildenden“ in der TÜV-Akademie ist der Feldwebelanwärter Michael Vogel. Der 20-jährige Unteroffizier aus Meckenheim entschloss sich, nach seinem Realschulabschluss zur Bundeswehr zu gehen. Vom Wehrdienstberater der Bundeswehr wurde ihm eine Einstellung in die Laufbahn der Feldwebel mit einer zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung zum Kfz-Mechatroniker angeboten.

„Ich habe bereits während meiner Schulzeit mehrere Praktika im Kfz-Gewerbe absolviert und konnte mir damals schon sehr gut vorstellen, diese Berufsrichtung einzuschlagen. Nach mehreren Gesprächen mit meinem Vater, der auch Soldat ist, stand für mich fest, zur Bundeswehr zu gehen“,erklärt der junge Soldat seine Entscheidung. „Die Möglichkeit später einmal als Vorgesetzter Soldaten zu führen und in einem möglichen Auslandseinsatz für Menschen und Material verantwortlich zu sein, kam natürlich als besonderer Reiz hinzu.“

Nach seiner Ausbildung wird Vogel, wie seine Kameraden, seinen Dienst als Soldat auf Zeit für weitere 9 oder mehr Jahre bei der Bundeswehr leisten. Eine Jobgarantie, die in der zivilen Wirtschaft ihresgleichen sucht. Seine Ausbildung wird ihn bis zur Meisterebene qualifizieren.

Zivile Ausbildung mit militärischen Einflüssen
„Während der Zeit unserer Ausbildung werden wir durch eine spezielle Bundeswehrdienststelle betreut, die sich ausschließlich um die Belange der Auszubildenden kümmert“, erklärt Vogel. „Unser dortiger Vorgesetzter ist unser Ansprechpartner in allen Belangen des täglichen Dienstlebens – ähnlich einem Spieß in der Stammeinheit.“ Um die Verbindung zum Soldatenleben in der Zeit der Ausbildung nicht ganz zu verlieren, aber auch um militärische Grundfertigkeiten wie körperliche Fitness und spezielle Kenntnisse nicht zu vernachlässigen, gibt es auch in Aachen einen Dienstplan für die auszubildenden Soldaten.

Shuttle zur Akademie
Jeden Wochentag treten die Soldaten morgens um 7.15 Uhr an. Es werden wichtige Punkte des Tages wie Termine beim Personalfeldwebel, Änderung des Dienstplans oder Sportvorhaben angesprochen. Um 7.30 bringt ein Shuttlebus die Auszubildenden von der Kaserne zur TÜV Akademie. Dort findet die Ausbildung, die sich in theoretische und praktische Anteile gliedert, statt. „Es ist so, dass der theoretische Unterrichtsstoff im praktischen Unterricht in den Werkstätten geübt und vertieft wird. Hierzu wird die Ausbildungsgruppe auf zwei Ausbildungswerkstätten verteilt. Das hat den Vorteil, dass sich jeder mit den verschiedenen Aufgabenstellungen beschäftigen kann – keiner muss nur zugucken“, erklärt Vogel. Um 16.15 Uhr ist Ausbildungsende und der Shuttlebus bringt die Soldaten zurück in die Kaserne.

Der Stoff muss sitzen
„Oft sitze ich aber noch auf meiner Stube und lerne oder wiederhole den Stoff“, sagt Vogel. Der Kfz-Mechatroniker entstand aus den Berufen Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker. Der Ausbildungsstoff ist entsprechend umfangreich und die Ausbildungszeit kurz. „Da während der ZAW-Maßnahme der gleiche Stoff wie in der dreieinhalb-jährigen zivilen Lehre vermittelt wird und natürlich auch bei den Zwischen- und Abschlussprüfungen sitzen muss, hat man eben nicht so viel Zeit für seine Hobbys“, sagt der begeisterte Taucher und Fußballer grinsend. Gute Prüfungsergebnisse sind wichtig, im Anschluss an seine Ausbildungsmaßnahme wird Vogel als Feldwebel in seinem Beruf die Meisterebene erreichen und damit in seinem Aufgabengebiet die Verantwortung tragen. Dies wird nur mit fundiertem Fachwissen und handwerklichen Fähigkeiten möglich sein.

Beim Lernen vor den Prüfungen werden die Soldaten durch ihre Dozenten der TÜV Akademie unterstützt. Vor der Zwischenprüfung wird für die Soldaten dienstags und mittwochs noch Unterricht in der Kaserne angeboten, um das Erlernte zu vertiefen oder Defizite zu beseitigen. Vogel bereitet sich zurzeit auf seine Zwischenprüfung vor – seine Abschlussprüfung wird im Januar 2011 sein. „Für mich ist faszinierend an dieser Ausbildung bei der Bundeswehr, dass eigentlich total fremde Menschen sich sehr schnell zusammenfinden und einen guten Teamgeist entwickeln – man findet hier sehr schnell Freunde und hilft sich gegenseitig“, erläutert Vogel.

Für seine Zukunft hat Vogel zunächst das Ziel, seine Ausbildung gut zu bestehen, um dann in einer fordernden Tätigkeit als Feldwebel in seinem Fachgebiet Erfahrungen zu sammeln und, wenn möglich, als Berufssoldat übernommen zu werden. Vielleicht wird er sich dann sogar im Bereich der Ausbildung um seine Nachfolger kümmern.

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